Die Erhaltung der seltenen Tulipa sylvestris, welche nahe der Baustelle des Bahnhofs Chur West gefunden wurde, ist ein gutes Beispiel für die Bewahrung von Arten und so auch der Biodiversität.
Am Rande der Baustelle des Bahnhofs Chur West wurde eine seltene Blumenart entdeckt. Dieses glockenförmige, gelbblütige Tulpengewächs, welches ursprünglich aus südeuropäischem und westasiatischem Raum stammt, wird als Tulipa sylvestris oder umgangssprachlich als Weinbergtulpe bezeichnet. Aufgrund der Baustelle des Bahnhofs wurde im 2023 – zusammen mit Tobler Landschaftsarchitekten – eine sogenannte Ex-situ-Erhaltung durchgeführt. Mit dieser Methode wird eine Pflanzenart ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums kultiviert und so der Weiterbestand sichergestellt. Im Falle der Tulipa sylvestris in Chur West umfasst dies das sorgfältige Ausgraben der Zwiebeln, ihre Sortierung und Kategorisierung nach Grösse und das anschliessende Wiedereinpflanzen eines Teils der Zwiebeln an geeigneten Standorten.
Ex-situ-Sicherung
Eine Ex-situ-Sicherung wird in mehreren Schritten vollzogen. Im April 2023 wurde die Pflanze zunächst beobachtet, um ein grundlegendes Verständnis für die Wachstumsbedingungen und -phasen zu entwickeln. Nach rund einem Monat erfolgte eine erste Probeausgrabung. Aufgrund der Erkenntnisse über das Vegetationsstadium der Zwiebel wurde entschieden, die Ausgrabung auf das Ende der Vegetationsperiode Ende Mai zu verschieben. Nach der Ausgrabung wurden die insgesamt 108 Zwiebeln in Grössenklassen sortiert und im Gartenatelier in Domat/Ems eingepflanzt. Die Hälfte in Kisten, die andere in den Boden. Im August 2023 wurde die Fläche, auf der die Tulipa sylvestris wächst, für die Wiederanpflanzung bereitgemacht. Dies unter besonderer Berücksichtigung der wachsenden Beikräuter, um optimale Wachstumsbedingungen zu erhalten.
Die Erhaltung der Tulipa sylvestris steht als positives Symbol zur Bewältigung globaler Umweltherausforderungen. Wenn auch nur im Kleinen, so wird mit der Rückgestaltung des Lebensraums der Pflanze am neuen Bahnhof Chur West deutlich, dass städtische Entwicklung und Naturschutz Hand in Hand gehen können.